Klimakrise, Denkmalpflege und die Bauwende
Laut Emissionsbericht des UN-Umweltprogramms UNEP, Stand Herbst 2026, führt unsere gegenwärtige Klimapolitik zu einer Erderwärmung von 2,8 Grad Celsius. Die katastrophalen Folgen des Klimawandels für die gebaute Umwelt sind in der Denkmalpflege wie auch in der Architektur intensiv in Diskussion und Untersuchung – jedoch überwiegend getrennt voneinander: Denkmalpflege im Erhalt, Architektur im Neubau. Was fehlt, ist eine Zusammenführung beider Perspektiven. Das von Kerstin Stamm herausgegebene, in diesem Herbst erscheinende Buch „Im Prinzip. Klimakrise, Denkmalpflege und die Bauwende“ bringt beide Perspektiven erstmals zusammen.
Unverändert verfehlt der Gebäudesektor die Klimaziele, weshalb Forderungen nach einem Abrissmoratorium und am besten dazu einen Neubaustopp zunehmend Gewicht bekommen. Wir brauchen die Bauwende. Aus der Klimaanpassung von Baudenkmalen wissen wir: Es geht auch anders; wir können sehr gut umbauen, bestandsgerecht anpassen und nachhaltig weiternutzen. Zwischen den zwei Polen von Erhalt auf der einen, Neubau auf der anderen Seite sehen wir in der Architektur die begeisterte Wiederentdeckung des Bauens im Bestand. Gleichzeitig liegen, noch dazu in großer regionaler wie klimatischer Vielfalt, bei der Denkmalpflege große Expertise und Erfahrungswissen zu jahrhundertelang erprobten Baustoffen, Bautechniken, Konstruktionsformen, bewährten wie nicht-bewährten Modifikationen an Praxisbeispielen zum Abruf bereit. Bestandswahrendes Langzeitdenken und Pluralität der Werte, die den Vorrang des Erhaltens begründen, sind im Denkmalschutz theoretisch wie praktisch erprobt. In der Klimakrise den Bestand bewahren, das ist die gemeinsame Aufgabe von Denkmalpflege und Architektur. Wir müssen reden.
Podiumsgespräch am 19.11.2026, 14 Uhr auf dem Klimafestival, mit Gästen aus Architektur und Denkmalpflege, moderiert von Kerstin Stamm; aktuelle Publikation: „Im Prinzip. Klimakrise, Denkmalpflege und die Bauwende“, Hg. Kerstin Stamm, Jovis Verlag Berlin.
Die Folgen des Klimawandels für den Gebäudebestand sind sowohl in der Denkmalpflege als auch in der Architektur intensiv in Diskussion und Untersuchung. Beide Fachgebiete haben in jüngster Zeit wesentliche Veröffentlichungen zur Klimakrise und zu den eigenen Positionen und Lösungsvorschlägen unterbreitet – allerdings überwiegend getrennt voneinander: die Denkmalpflege im Erhalt, die Architektur im Neubau. Im Prinzip ist eine Zusammenführung beider Perspektiven. Denn in der Klimakrise zeigt sich die Notwendigkeit, zwischen Neubau und Erhalt zu vermitteln und das Bauwissen der Denkmalpflege für nachhaltige Architektur zu nutzen. Aus dem Blickwinkel verschiedener Disziplinen werden Ausgangspunkte, Beispiele und Handlungsmöglichkeiten für das Bewahren von Bestandsbauten reflektiert.
Mit einem Vorwort von Anh-Linh Ngo und mit Beiträgen von Friedrich von Borries, Elisabeth Broermann, Sebastian Brünger, Constanze Fuhrmann, Mikala Holme Samsøe, Theresa Keilhacker, Verena Pfeiffer-Kloss, Dana Ratz, Jan Schultheiß, Stefan Simon, Kerstin Stamm, Astrid Swenson, Corinna Tell, Felix Zohlen.