Als Anwohner der Torstraße, Nachbarinnen und Gewerbetreibende machen wir uns schon lange Sorgen über die Zukunft der Straße, die eine wichtige Lebensader für die anliegenden, dicht besiedelten Quartiere bildet. Lärm, Abgase und Feinstaub machen den Alltag hier anstrengend und gefährden nachweislich die Gesundheit. In den letzten Jahren ist die Aufheizung der Stadt hier besonders zu spüren. Viele Ältere meiden im Hochsommer inzwischen den Aufenthalt auf der Straße.
Als Tempo 30 aufgehoben werden sollte, hat das hier niemand verstanden, auch die meisten derjenigen nicht, die aufs Auto angewiesen sind. Schon heute hält sich, wenn die Straße mal frei ist, kaum jemand an die Geschwindigkeitsbeschränkung. „30 bleibt“ Schilder hingen in den Fenstern, aber die vielen Einwendungen zum neuen Luftreinhalteplan wurden pauschal abgewiegelt. Wir sind froh, dass durch politische Intervention nun doch Tempo 30 im ersten Bauabschnitt geblieben ist – aber wie lange?
Seit im Oktober 2025 die Ausführungsplanung für die Neugestaltung der Torstraße auf den schwer zu findenden Informationsseiten der Senatsverwaltung auftauchte, ist unser Unverständnis zum Vorgehen des Senats massiv gewachsen. Viele der über 12.000 Menschen in den angrenzenden Quartieren der Spandauer und Rosenthaler Vorstadt können nicht fassen, wie hier mit viel Geld und ohne Bürger- und Fachbeteiligung so eine schlechte, gefährliche und das Leben an der Straße abwürgende Planung durchgedrückt werden soll. Schon die wenigen Informationen, die es heute über die Planung gibt, lösen hier bei vielen Entsetzen aus. Nicht wenige Nachbarn sagen: Die Planer sind nie hier gewesen, bevor sie die Pläne gezeichnet haben. Das macht sich nicht nur am mangelnden Verständnis der Situation vor Ort deutlich, sondern auch daran, dass viele existierende Dinge gar nicht berücksichtigt sind: Bänke, Jelbi-Stationen, bereits gefällte Bäume, inzwischen entstandene Fahrradstraßen, Enge auf den angeblich ausreichend breiten Bürgersteigen. Unser Leben an der Torstraße bleibt halt nicht stehen.
Wir wissen nicht viel über die Planung, weil es bisher nur fünf, für den Laien kaum verständliche Zeichnungen gibt. Ein Regelquerschnitt und eine idealisierte Visualisierung hilft ebenfalls kaum weiter. Der Wahrheitsgehalt der spröden Erläuterungen dazu lässt sich leider nicht prüfen. Die bisherigen Informationen der Senatsverwaltung lassen allerdings nicht erwarten, dass den Planern „der große Wurf“ gelungen ist. Selten wird eine Berliner Straße auf einem Kilometer Länge völlig neugestaltet, die Chance, hier einen öffentlichen Raum für die Zukunftsanforderungen unserer Stadt vorzubereiten, wird offensichtlich vertan.
• 40 Bäume sollen gefällt werden (der älteste 81 Jahre alt), an der Straße sollen aber nur 24 Jungbäume nachgepflanzt werden. Der Rest landet im Park. 8 Bäume wurden schon in den letzten Jahren gefällt und nicht nachgepflanzt, weil die Straße umgebaut werden soll. Der Grund für fast alle Fällungen ist, dass die Planer nicht alle Fahrspuren für Kfz- und Radverkehr auf der bestehenden Fahrbahn untergebracht haben. Besonders die zu vielen und zu breiten Kfz-Spuren führen hier zu unnötigen Zwangspunkten. Alle Nachbarn wollen eine funktionierende Straße, aber fast niemand will hier vier Fahrspuren, schon gar nicht im Berufsverkehr, wenn die Kinder zur Schule und zur Kita müssen. Eine Rettungsspur dagegen würde hier jeder verstehen und wünschenswert finden.
• Die fehlende Beteiligung, irreführende und teilweise falsche Informationen über die Planung entsprechen nicht unserem Verständnis von demokratischer Stadtentwicklung. Regelwerke für Bürgerbeteiligung in Berlin und in Mitte werden völlig missachtet. Bei so einer wesentlichen Änderung der Verkehrsführung in der Straße wäre eigentlich wohl ein Planfeststellungsverfahren erforderlich. Die Planung wird allerdings als Geschäft der laufenden Verwaltung betrieben. Ob das rechtens ist, wissen wir nicht. Aber wir zweifeln es an.
Hier geht es nicht um Planungsdetails, sondern um den grundsätzlichen Ansatz. Wir werden ab der kommenden Woche Unterschriften für eine zukunftsfähige Torstraße sammeln um der Senatsverwaltung klarzumachen, dass diese Stadt nicht funktioniert, ohne die Menschen in die Entwicklung einzubeziehen.
Um unseren Forderungen Ausdruck zu verleihen, demonstrieren wir heute anläßlich der „Bürgerinformationsveranstaltung“ von SenMVKU um 17:00 vor der Senatsverwaltung in der Brunnenstraße 111 (AEG-Beamtentor, U-Bahnhof Voltastraße). Dort wird es auch weitere Informationen geben.
Informationsseite der Bürgerinitiative: https://stadtnachdenken.de
Die Bürgerinitiative Lebendige Torstraße ist eine offene Gruppe, die über das Thema Torstraße auch die Nachbarschaft wieder zusammenbringen will, unabhängig von der eigenen verkehrspolitischen Haltung. Wir arbeiten eng mit der Seniorenvertretung Mitte zusammen und halten Kontakt zu den Elternvertretungen der Schulen in unseren Stadtteilen.
Ansprechpartner: Eckhard Hasler, hasler@stadtnachdenken.de